In Deutschland könnte es bald eine Elektroauto-Steuer geben

4 Minuten Lesezeit

Symbolbild. Das Elektroauto VW e-up! und eine Ladestation.

Bis zum Jahr 2020 sollen in Deutschland über 1 Million (Plug-In und Elektroautos) fahren, irgendwann wird die Zeit kommen, an dem es mehr PKW mit einem Elektro- als mit einem Verbrennungsmotor gibt.
Dabei vergessen viele Menschen allerdings, dass die steigende Verbreitung von Elektrofahrzeugen für die Bundesregierung mit sinkenden Steuereinnahmen verbunden ist.

Symbolbild. Das Elektroauto VW e-up! und eine Ladestation.

Symbolbild. Das Elektroauto VW e-up! und eine Ladestation.

So wurden im Jahr 2014 an allen deutschen Tankstellen zusammen rund 35 Millionen Tonnen Kraftstoff* verkauft: 18 Millionen Tonnen Benzin (1 t Benzin: 1.333,33 Liter**) und 17 Millionen Tonnen Diesel (1 t Diesel: 1.190,47 Liter**) verkauft, in Litern umgerechnet bedeutet dies:

  • Benzin: 23.999.940.000 Liter
  • Diesel: 20.237.990.000 Liter

*: Welt.de
**: bdbe.de

An jedem verkauften Liter Treibstoff verdient der Staat eine Menge Geld in Form von Steuern, so fallen die Energiesteuer und die Mehrwertsteuer an.

Die Höhe der Energiesteuer (früher: Mineralölsteuer) ist abhängig von der Kraftstoffart:

  • Flüssiggas als Kraftstoff:  rd. 18 Cent/kg
  • Erdgas: rd. 18, Cent/kg
  • Diesel: 47,04 Cent/Liter
  • Benzin: 65,45 Cent/Liter
    (Quelle: Bundesfinanzministerium)

 

So setzen sich die Kraftstoffpreise zusammen

Super E10
1,215 Euro
Diesel
0,927 Euro
36,7 Cent Kosten und Gewinn
der Mineralölwirtschaft
34,7 Cent
19,4 Cent Mehrwehrtsteuer 15,5 Cent
65,4 Cent Energiesteuer 47,0 Cent
69,8 Prozent gesamter Steueranteil
pro Liter
64,3 Prozent

(Quelle: TZ)

Da jeder Staat die Steuern benötigt, um wichtige Dinge, wie die Polizei, Feuerwehr, usw. am laufen zu halten, sind die Politiker auf jeden Euro angewiesen.

So lagen die geplanten Steuereinnahmen für das Jahr 2015 bei 280.067.500.000 Euro (280 Milliarden €), die geplanten Einnahmen aus der Energiesteuer lagen bei 36.338.000.000 Euro (36,3 Milliarden €); Quelle: Bundeshaushalt-Info.

Daran sieht man, dass die Einnahmen aus den Abgaben der Kraftstoffpreise einen sehr hohen Anteil ausmachen, wenn man das alleine auf die Benzin- und Dieselpreise umrechnet, kommt man auf folgende Größen:

Benzin: 23.999.940.000 Liter * 65,45 Cent/Liter (Energiesteuer) = 15.707.960.730 Euro (15,7 Mrd €)
Diesel: 20.237.990.000 Liter * 47,04 Cent/Liter (Energiesteuer) = 9.519.950.496 Euro (9,5 Mrd €)

Die Mehrwertsteuer lasse ich aus den Berechnungen außen vor, da diese auf den Strom- und Kraftstoffpreis erhoben wird.

Relation Elektroauto zu Verbrenner

Natürlich zahlt man als normaler Endverbraucher auch auf Strom verschiedene Abgaben, diese setzen sich bei einem angenommenen Strompreis von 28,5 Cent pro Kilowattstunde wie folgt zusammen:

  • Netzentgelte, Messung, Abrechnung: 6,8 Ct/kWh (24 %)
  • Konzessionsabgabe: 1,6 Ct/kWh (6 %)
  • Strombeschaffung: 4,0 Ct/kWh (14 %)
  • Vertrieb, Marge, Sonstiges: 2,6 Ct/kWh (9 %)
  • Mehrwertsteuer: 4,5 Ct/kWh (16 %)
  • Stromsteuer: 2,1 Ct/kWh (7 %)
  • KWK-, Offshore-, §19- und Abschaltumlage: 0,5 Ct/kWh (2 %)
  • EEG-Umlage: 6,4 Ct/kWh (22 %)
    (Quelle: kWh-Preis)

Um zu sehen, wie viel Geld dem Staat an Steuern entgeht, wenn plötzlich alle nur noch Elektroautos fahren würden, muss man die ungefähr fahrbaren Strecken mit einer Tankfüllung in Relation zueinander umrechnen.

Als Beispiel für den Verbrenner dient ein Seat Ibiza mit einem Tankvolumen von etwa 45 Liter, wenn man diesen einmal volltankt, muss man 54,68 Euro bezahlen (45 * 1,215 Euro) – damit kann man etwa 650 Kilometer weit fahren. Von den 54,68 € entfallen 29,43 € auf die Energiesteuer.

Als Beispiel für einen Stromer nehme ich das Elektroauto BMW i3, die Reichweite liegt bei etwa 160 Kilometer, die nutzbare Batteriekapazität liegt bei 18,8 kWh, geht man also von einen Strompreis in Höhe von 28,5 Cent aus, kostet eine Batterieladung zu Hause theoretisch ungefähr 5,358 Euro, wobei man noch vlt. noch 2,00 Euro an Wärmeverlusten einbeziehen muss.
Somit kann man theoretisch für 7,358 Euro etwa 160 Kilometer weit fahren: Wenn man dies auf 650 Kilometer hochrechnet, kommt man auf 29,89 Euro (oder 25,82 kWh), an Stromsteuern zahlt entsprechend 1,65 Euro.

Dies bedeutet, dass man in Deutschland auf einer gefahrenen Strecke von 650 Kilometern mit einem Verbrenner stolze 29,43 Euro Energiesteuer zahlt, während man mit einem Elektroauto nur 1,65 Euro an Stromsteuern bezahlen muss.

Wofür werden die Steuern verwendet?

Die Energiesteuer wird zum Großteil für die Rentenzahlungen verwendet, ein weiterer großer Posten sind die anderen Sozialausgaben, wie zum Beispiel das Arbeitslosengeld II, Kindergeld, etc.
So gab der Bund im Jahr 2011 rund 19,4 Milliarden Euro für Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem SGB II aus (FragdenStaat), diese Kosten dürften allerdings inzwischen weiter gestiegen sein.

Da ich nicht davon ausgehe, dass die Bundesrepublik mal so einfach auf einen Großteil der Steuern verzichten können wird, darf man schon jetzt darauf gespannt sein, welche Steuer im Zeitalter des Elektroautos erhoben wird.
Wahrscheinlich werden dann einfach die KFZ Steuern (auch für Stromer) erheblich erhöht, denn irgendwie müssen ja die fehlenden Einnahmen aus der Energiesteuer ausgeglichen werden.

5 comments on “In Deutschland könnte es bald eine Elektroauto-Steuer geben”
  1. ich says:
    23. April 2016 at 16:12

    Super Artikel, doch fehlt ein Gesichtspunkt bei der Überlegung: Wenn nur noch E-Autos fahren würden, dann würden Kosten für den Staat minimiert werden. Beispielsweise würde in den Städten die Feinstaubbelastung deutlich sinken. Daher würden Kosten für Maßnahmen um diverse Richtlinien einzuhalten wegfallen bzw. die Strafe für das Nichteinhalen.

  2. Besserwisser says:
    23. April 2016 at 20:46

    Interessante Zusammenstellung, allerdings mit mehreren Fehlern. Das ist nur die „Stammtisch-Sicht“.
    1. Beim Strom wurde nur die Stromsteuer als Einnahme angegeben, die Mehrwertsteuer aber unterschlagen. Das ändert natürlich wenig an den Mindereinnahmen.
    2. Vor allem gilt das nur für die Heimladung. Die Ladesäulenbetreiber beziehen Industriestrom der deutlich günsitger ist, verkaufen aber (zukünftig) den Strom teurer, damit das auch ein Geschäftsmodell wird.
    3. Es gibt übrigens schon eine E-Kfz-Steuer, diese ist Gewichtsabhängig. Ein E-Golf würde, nachdem seine steuerfreie Zeit endet, 90 € im Jahr bezahlen (8x 11,25€). Das ist deutlich mehr als die meisten kleinhubigen, zwangsbeatmeten Benziner kosten.
    4. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass bei Flüssigkraftstoffen ein Großteil des Geldes ins Ausland abfließt. Beim Strom bleibt das Geld im Inland und kann dort reinvestiert werden, was wiederum Steuereinnahmen generiert.

    Man muss schon etwas über den Tellerrand schauen um festzustellen, dass E-Mobilität für Deutschland mehr bedeutet als nur NOx-freie Städte.

    1. KaiDomroese says:
      24. April 2016 at 10:24

      Hallo,
      Zu Punkt 1:
      Die Mehrwertsteuer hatte ich bei beiden Arten in der Aufstellung der Preiszusammensetzung genannt, allerdings hatte ich später nur die Energiesteuer genannt, weil diese den größten Posten ausmacht. Zudem wird die Mehrwertsteuer sowohl auf Treibstoff als auch auf Strom erhoben.
      Zu Punkt 2:
      Ich war im ganzen Artikel von der Aufladung des Elektroautos zu Hause aufgegangen, da die Kosten an den kommerziellen Ladestationen unterschiedlich hoch ausfallen und man dann hier auch berücksichtigen müsste, ob man die Schnellladung nutzt oder nicht.
      Gleichzeitig könnte man mit dem Tesla Model S ganz kostenlos parken, wenn man eine Supercharger-Station in der Nähe haben sollte.

      Viele Grüße,
      Kai
      http://www.Mein-Elektroauto.com

  3. Sergey Denisov says:
    24. April 2016 at 14:04

    Eigentlich soll man die Summe von

    •Netzentgelte, Messung, Abrechnung: 6,8 Ct/kWh (24 %)
    •Vertrieb, Marge, Sonstiges: 2,6 Ct/kWh (9 %)
    •Strombeschaffung: 4,0 Ct/kWh (14 %)

    als vergleichbare Wert für „Kosten und Gewinn
    der Mineralölwirtschaft“ berechnen (13,4Ct/kWh, 43%)

    Und der Rest, also die Summe von

    •Stromsteuer: 2,1 Ct/kWh (7 %)
    •KWK-, Offshore-, §19- und Abschaltumlage: 0,5 Ct/kWh (2 %)
    •EEG-Umlage: 6,4 Ct/kWh (22 %)
    •Konzessionsabgabe: 1,6 Ct/kWh (6 %)

    als quasi „Energiesteuer“ berechnet werden. (10,6 Ct/kWh 37%)

    Diese einnahmen sind zwar teilweise „Zweckgebunden“, aber letztendlich entscheidet der Staat selbst wie sie verwendet werden sollen, und sie haben wegen mit Produktion-/Bereitsstellungs-kosten noch mit Gewinn vom Stromproduzent/Lieferant zu tun.

    Schöne Grüße
    Sergey Denisov

  4. T.S. says:
    26. April 2016 at 17:51

    Hallo!

    Es sollten aber nicht nur die Schadstoffe für das eigentliche Fahren beachtet werden. Bei der Herstellung und Entsorgung der Akkus entstehen ja auch Schadstoffe, aber keiner sagt welche und wie viele. Was nützt eine NOx arme Luft in der Stadt, wenn wir dafür noch mehr Probleme mit dem Trinkwasser bekommen, … oh ich vergas, produzieren lassen wir ja in China und das CO2 und die Schadstoffe bleiben ja dort.

    Ich sehe das als reine Kostenrechnung für den Benutzer. Den Nissan Micra könnte man ja durch einen Leaf ersetzten, aber was kostet mich das? Z.Z. würde ein neuer Micra ca. 12.000€ kosten und es würde für ca. 50€ im Monat Benzin verbrannt. Der Leaf kostet ca. 28.000 € inkl. Akku und es würden ca. 20 € an Stromkosten anfallen, oder man least für ca. 80 € den Akku und spart 6000 € am Kaufpreis. So sind aber schon die monatlichen Kosten höher. Also ist das Ganze doch völlig uninteressant. Für die 10.000 € fahre ich lieber ein paar mal in den Urlaub, mit CO2 Ausgleich und die 40-50 € ggf. bei höheren Benzinpreisen gebe ich lieber für ökologisch produzierte Waren aus, was der Umwelt sicher mehr hilft.

    MfG T.S.

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