Rückschlag – Vorerst kein Strom aus Algen für Elektroautos

(10.12.2011)

Mit Algen klimaneutralen Strom für das Elektroauto zu erzeugen klingt sehr reizvoll, leider ist ist die Wirtschaftlichkeit nicht überall gegeben.

In solchen "Algenschränken" sollen die Algen optimal mit Licht, CO2 und Wärme versorgt werden, die Algen fließen dort in einer Nährlösung durch lange durchsichtige Röhren. Bildquelle: Ecoduna

Es gab bereits verschiedene Experimente, bei denen aus Algen Strom erzeugt werden sollte, in der Regel werden die Algen hierfür in speziellen Behältern (meistens durchsichtige Röhren) gezüchtet und erhalten als Nahrung CO2.
Zum Beispiel präsentierten Vattenfall und die österreichische Algenzuchtfirma ecoduna ihre Algenzuchtanlage in Senftemberg, durch durchströmt 50m³ Nährlösung mit Algen die Röhren, das CO2 wird direkt aus dem dortigen Kohlekraftwerk verwendet. Diese Versuchsanlage soll zeigen, dass die Zucht mit Kraftwerksabgasen möglich ist. In Ländern wie Deutschland besteht jedoch das Problem, das es Algen warm mögen und ihre Photosynthese Licht brauchen.

Ein anderes Problem ist, das die Abscheidung von CO2 bei Kraftwerken sehr aufwendig ist, es wird damit gerechnet dass eine halbwegs „vollständige“ Entfernung des CO2 aus den Abgasen den Wirkungsgrad eines Kohlekraftwerks um 20% verschlechtern würde, so würde ein Kohlekraftwerk nicht mehr wirtschaftlich arbeiten.

Das man so das CO2 aus Kraftwerken für den Antrieb eines Elektroauto verwenden kann, liegt daher leider noch in weiter Ferne.  Bisher sind die technisch möglichen Abscheidungsraten niedrig. Spitzenreiter in der Abscheidung, bei konventioneller Feuerungstechnik, ist zur Zeit das Kohlekraftwerk Niederaußem, es bringt es auf sage und schreibe 0,05% CO2-Abscheidung aus dem Abgasvolumenstrom.

Im Gegensatz zum kühlen Deutschland haben Algenzuchtprogramme in Ländern wie den USA größeren Erfolg, weil dort die klimatischen Bedingungen günstiger sind, können die Algen dort relativ leicht in offenen Pools gezüchtet werden. Um aus Algen Energie zu gewinnen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, einmal kann man diese zu Biodiesel verarbeiten oder man erzeugt Strom, in dem man die Algen anschließend verrotten lässt und die dabei entstehende Abwärme nutzt. Derzeit ist der Aufwand der Algentreibstoffproduktion in allen betrachteten Herstellungsverfahren um ein vielfaches höher als der Ertrag. Im Schnitt muss die siebenfache Energiemenge aufgewandt werden (ohne den Betrag für eine eventuelle CO2-Abscheidung aus Kraftwerksabgasen) die besten Verfahren brauchen immer noch den doppelten Energieeinsatz.

Daher sieht Ecoduna seine aufwendige Algenzucht denn auch zukünftig nicht in der Herstellung von Treibstoff, sondern der Gewinnung von wertvollen Nahrungsergänzungsmitteln, Tierfutter und Öko-Kunststoffen. Dazu soll in Bruck an der Leitha eine Anlage zur Produktion von Omega-3-Fettsäuren aus Algen entstehen. Ähnlich denkt man auch in Niederaußem.

Es bleibt daher zu hoffen, das in Zukunft die Verfahren besser werden, damit zukünftig Strom aus Algen Elektroautos antreiben kann.

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Ein Gedanke zu „Rückschlag – Vorerst kein Strom aus Algen für Elektroautos

  • 12. Dezember 2011 um 09:42
    Permalink

    In den üblichen Ansätzen der Mikroalgenproduktion steht eher die Produktion von Biokraftstoffen (meist synthetischer Biodiesel) im Vordergrund, wenn es um die energetische Nutzung geht. Eine direkte Erzeugung von Strom in den Photobioreaktoren findet nicht statt. Interessante Ansätze findet man auch bei der Erzeugung von Wasserstoff, hier stehen wir allerdings noch ziemlich am Anfang…
    Ausgehend vom Effizienzgrad der Nutzung des Sonnenlichts ist die Solarzelle der pflanzlichen Photosynthese auch deutlich überlegen, daher gehe ich davon aus, dass auf absehbare Zeit die Stromerzeugung weniger über Algen als über Solaranlagen erfolgen wird…

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