Das Elektroauto setzt sich auch ohne Staatshilfe durch

3 Minuten Lesezeit

(06.10.2011)

Bisher hieß es oft, das sich das Elektroauto nur mit staatlichen Subventionen durchsetzen würde.

Nun möchte ein Forschungsprojekt der European School of Management and Technology mit der Annahme aufräumen, das nur Subventionen den Übergang ins E-Auto-Zeitalter ermöglichen würden.

Die Fragen in dem Bereich lauten:

  • Brauchen Elektroautos einen kräftigen Schub vom Staat, um sich durchsetzen zu können?
  • Kann Deutschland seinen Status als führender Autohersteller ohne Subventionen halten?

Das ist nur eine kleine Auswahl an Fragen, welche Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) im vergangenen Jahr beschäftigte. Die Industrie und die Bundesregierung in dem Gremium waren sich bislang nur in einem einig: Auch im heraufziehenden Stromerzeitalter sollen hierzulande weltweit gefragte Autos gebaut und entwickelt werden.

Forscher der European School of Management and Technology (ESMT) gingen nun detailliert den Wirkungen und Nebenwirkungen von möglichen Stützmaßahmen der Politik nach, mit Hilfe eines  umfangreichen Marktmodell (http://www.mmem.eu) simulierten die Wissenschaftler, wie und vor allem wie stark staatliche Starthilfe den Durchbruch von Elektroautos beeinflusst.
Das wichtigste Ergebnis der detaillierten Studie: Um die langfristigen Ziele von 1 Million Elektrofahrzeugen im Jahr 2020 auf den deutschen Straßen zu haben, braucht es gar keine helfende öffentliche Hand.

Ein paar Jahre später – im Jahr 2030 werden nach der ESMT-Prognose auch ohne Eingriffe der Politik rund sechs Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein.
Das ist genau die Marke, die sich die Politik selbst gesetzt hat. Zwar werden rein elektrisch betriebene Fahrzeuge auch dann noch in der Minderheit sein, dafür werden sich umso mehr Hybridmodelle und Autos mit Range Extender durchsetzen.
Dank eines steigenden Ölpreises, sinkender Kosten für die Akkus und der geltenden CO2-Reduktionsziele (95 Gramm Ausstoß pro 100 Kilometer in 2020) werden alle Elektroautos zusammen in rund 20 Jahren etwa 15 Prozent des Marktes ausmachen.

Die ESMT-Experten warnen deshalb vor teurem Aktionismus auf Seiten der Regierung: Auch eine noch so massive Subvention von Elektromobilität kann nicht gegen Marktkräfte Elektromobilität attraktiv machen, schreiben sie in ihrem Projektbericht.
Unter den geltenden Rahmenbedingungen führt eine solche Maßnahme in Europa zu Wohlfahrtsverlust.

  • Warum sollten Hersteller eine Innovation beschleunigen, die für Kunden noch nicht attraktiv ist?
  • Und warum sollte der Steuerzahler diese Beschleunigung fördern und mit einer Infrastruktur ausstatten?

Berechtigte Fragen. Es gäbe ohnehin nur zwei Maßnahmen, die nach dem Modell überhaupt einen signifikant fördernden Einfluss auf den tatsächlichen Markthochlauf hätten: Eine Kaufprämie und ein Bonus-Malus-System, das ökologische Autos belohnt und Umweltverpester verteuert. Beide Förderungen haben auch jedoch ihre Nebenwirkungen. Und bei beiden, auch zeigt das Marktmodell, sind die Kosten am Ende höher als der Nutzen.

Es bleibt zu hoffen, das dass Modell so auch in der Wirklichkeit anwendbar ist – denn viele Faktoren lassen sich auch bei der Zukunft des Elektroauto nicht genau vorher sagen.

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