Die seltsame Diskussion um das Elektroauto

(01.02.2012)

Vor ein paar Tagen konnte man in den Medien lesen, das das Elektroauto gar nicht so umweltschonend sei, wie man erwartet hätte.

Bei der Diskussion geht es hauptsächlich darum, das der Strom für das E-Auto häufig noch durch Kohle- oder andere stark CO2-Ausstoßenden Kraftwerke erzeugt wird. Ich finde diese Diskussion etwas absurd, denn auch die Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Trockner, Elektrobackofen, Fön etc. benötigen eine Menge Strom – sollen diese jetzt ähnlich verdammt werden?

Ich bin der Meinung, das es eher in die Richtung gehen sollte, wie man grundsätzlich mehr grünen Strom erzeugen kann. Denn warum wird einerseits der Kohleabbau subventioniert und andererseits wird das Elektroauto quasi verurteilt und was soll die Alternative sein?

Einen sehr schönen Kommentar zu der Diskussion hat Peter Schwerdtmann vom Auto-Medienportal.Net geschrieben:

 

Kommentar: Ein Anfall von E-Empörung

Es schmerzt jedes Mal, wenn ein Traum platzt. Politiker und Umweltaktivisten haben das jetzt wieder erlebt. Seit ein paar Jahren reden sie sich ein, das Elektroauto könne die Welt ganz schnell retten. Offenbar hat es vielen gereicht, nur zu träumen. Jetzt hat die ,,taz“ offenbar viele von denen aus ihren Träumen gerissen. Anders ist die aktuelle Aufregung um eine Studie des Freiburger Ökoinstituts kaum zu begreifen.

Der ,,taz“-Veröffentlichung folgte ein erschreckter Aufschrei. Das Elektroauto löst unsere Probleme doch nicht schon morgen? Und es löst sie gar nicht gründlich? Alles leere Versprechungen?

Die beiden Fragen müsste sich heute niemand stellen, wenn er sich um die Fakten gekümmert hätte. Experten rechnen nicht mit dem Durchbruch des Elektroautos – in welcher Technik auch immer – in diesem Jahrzehnt. Eher rechnen sie mit zwei Jahrzehnten. Und das haben sie alle immer wieder kommuniziert. Das wollten nur offenbar nicht alle wahrhaben. Ob die Deutschen das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 oder bis 2021 erreichen, ist für die Kohlendioxidemission aus Autos völlig unerheblich. Eine Million sind nur zwei Prozent des Bestands.

Elektroautos bringen nur etwas für die Umwelt, wenn ihre Fahrenergie nicht aus fossilen Brennstoffen stammt. Beim europäischen Kraftwerksmix brächte ein kompletter Ersatz aller Benziner und Diesel durch Elektroautos nicht mehr als 20 Prozent Verbesserung bei der Kohlendioxidemission von Kraftfahrzeugen. Auch das konnte jeder hören, der es hören wollte.

Nun wird niemand dem Ökoinstitut unterstellen wollen, es hätte die Situation falsch dargestellt. Die Studie kommt offenbar zu demselben Schluss wie alle anderen Experten auch. Die Freiburger dürften sich missverstanden gefühlt haben. Sie sind zu gut im Thema, um als Zeugen für leere Versprechen missbraucht werden zu können.

Wem nützt nun dieser Anfall von Empörung? Den Politikern und Medien vielleicht, zu deren Kernkompetenz nicht das Sachwissen über Auto und Technologie gehört. Und einigen Aktivisten, die sich darauf verlassen können, dass ihre Zuhörer an Meinungen und nicht an Fakten interessiert sind. Dem Elektroauto hat dieser Ausrutscher jedenfalls nicht gedient.

Kleiner Schmunzler am Rande: Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclub Deutschland (VCD), sah sich im Interview mit dem ,,Deutschlandfunk“ auf einmal in die Rolle gedrängt, dem Benzin- und dem Dieselmotor noch eine lange Zukunft vorauszusagen. Er hat Recht (siehe oben). Doch verband er seine Aussage mit der Forderung, die Industrie müsse langsam mal anfangen, sparsame Motoren zu entwickeln. Womit wir wieder beim Zusammenhang zwischen Sachwissen und Meinungen angelangt wären.

Passende Fahrzeuge

Plug-In Hybridauto Toyota Prius, er wird auch als Prius Plug-In Hybrid oder auch als Prius PHV bezeichnet. Bildquelle: Toyota

Plug-In Hybridauto Toyota Prius Plug-in Hybrid

Hyundai Ioniq Electric. Bildquelle: Hyundai

Elektroauto Hyundai Ioniq Electric

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8 Gedanken zu „Die seltsame Diskussion um das Elektroauto

  • 1. Februar 2012 um 23:13
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    Also ich gebe auf solche Studien reichlich wenig. Da muss man immer hinterfragen, wie objektiv so was ist, wer die Studie in Auftrag gegeben hat, etc….

    Ich glaube einfach, die deutsche Autoindustrie hat Angst, dass sie in den nächsten 10 Jahren keine Benzinautos mehr verkaufen werden – oder so ähnlich…

    Das Problem ist nur, dass der Großteil der Leute solchen Studien Beachtung schenken und es glauben – und damit ist dann das Ziel erreicht, die von solchen Studien profitieren.

    Innovative Erfindungen sind immer schon kritisch betrachtet worden, vor allem wenn sie eine Gefahr für eine über 100 Jahre gewachsene Industrie werden könnten. Aber vielleicht sollten die großen Autobauer es nicht als Gefahr sehen, sondern als neue Chance mit sauberen Autos auch gutes Geschäft zu machen und das zu produzieren, was die Leute wollen.

    Davon abgesehen sind Elektroautos sogar mit dem heutigen Strommix umweltfreundlicher als Benzinautos:

    http://www.renault-ze.com/blog/de/?p=1373

    und effektiver:

    http://www.renault-ze.com/blog/de/?p=1455

    Und eine Million Elektroautos, was Deutschland sowieso NIE bis 2020 schaffen wird, verbrauchen gerade mal 0,3 % des Gesamtstromes (siehe Doku: „Die leise Revolution.“

    Aber wie jeder bekennende Elektroauto-Befürworter bin ich natürlich für eine Koppelung mit Ökostrom, wie es z.B. bei electro-drive geschieht.

    Also – lassen wir uns durch so eine Negativ-Propaganda nicht unterkriegen!! {:-)

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  • 1. Februar 2012 um 23:52
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    Ich würde allen Lesern empfehlen, die Grundlagen für diese Diskussionen zu betrachten und zu studieren. Oft sieht man, wie plump und FALSCH die Aussagen sind, die angeblich die ökologische Überlegenheit der Verbrenner darstellen sollten.

    Eine verdammt simple Rechnung, für die, die es nicht selber schaffen:
    Ein Mitsubishi i-MiEV, das ist die BASIS für Elektrofahrzeuge heute schlechthin, sei es das Original von Mitsubishi oder die Ableger aus Frankreich, die Modelle brauchen AB STECKDOSE so im Bereich 12-15 kWh pro 100km (gefahrene Tests, z.B. bei AutoBild:
    http://www.autobild.de/artikel/vier-tage-mitsubishi-i-miev.-teil-1-dienstag-947361.html
    http://www.autobild.de/artikel/vier-tage-unter-hochspannung-teil-2-mittwoch-947459.html
    Ein Mitsubishi i mit Verbrennungsmotor verbraucht je nach Modell im Drittelmix zwischen 3,8 l und 6 l, in der Stadt eher mehr.
    http://www.autobild.de/artikel/test-mitsubishi-i-58835.html
    Im Jahr 2010 war der Ausstoß der deutschen Kraftwerke per kWh 563 g CO2:
    http://www.umweltbundesamt.de/energie/archiv/co2-strommix.pdf
    So, und jetzt der Vergleich:
    LOKAL:
    i-MiEV: NULL CO2
    i-Verbrenner: 90,1 g CO2 pro km (bzw. 120 g im Test, siehe Link oben)
    GLOBAL, d.h. inklusive Treibstoffzubereitung im Jahr 2010:
    i-MiEV: 0,15*563= 84,5 g CO2 pro km
    i-Verbrenner: 90,1 + 25% (Benzinzubereitung, Quelle z.B. diese neue dubiose Studie) -> 113 g, bzw. 150 g CO2 pro km (wenn man den Test als Basis nimmt).
    D.h. global: 84,5 gegen 113/150, die erste Zahl wird dauernd sinken (ohne dass man ein neues PKW kaufen muss), die zweite Zahl wird dauernd größer (ohne dass man ein neues PKW kaufen muss).

    Übrigens, die Fälschung von Greenpeace mit W.Lohbeck an der Spitze ist LEGENDÄR:
    http://blog.greenpeace.de/blog/2010/06/26/sind-e-autos-klimafreundlicher-als-konventionelle/
    Hier gibt er z.B. für seine Aussagen und Berechnungen für den i-MiEV 21,2 kWh/100km, der Link zu dem Autobild steht aber gleich DANEBEN (wo TATSÄCHLICH NUR 14,5 kWh sind!!!), aber die meisten Leser kaufen dem Typen die billige Propaganda trotzdem ab!!! Das ist die SPITZE der Empörung, Leute. Das gleiche macht er mit Smart e-drive, gibt 26,5 kWh/100km als angebliche Wahrheit an, gibt aber auch ein Link an, wo ganz was anderes steht: 138 Kilometer bei 40 km Restkapazität, allerdings ab Akku (16,5 kWh), dies wäre trotzdem deutlich unter 15kWh/100km!!!
    Aber die meisten Greenpeace-Mitglieder schlucken die Lügen von W.Lohbeck unverdaut, wie wohl viele andere auch!!! DAS ist die EMPÖRUNG, dass die Leute diesen Lügnern alles glauben und nicht selber nachrechnen!!! Leute, lasst euch nicht verarschen!!!

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  • Pingback: Deutscher Auto Blogger Digest vom 01.02.2012 | "Auto .. geil"

  • 2. Februar 2012 um 07:59
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    Grundvoraussetzung für den CO2-freien Betrieb von Elektroautos ist das Laden aus regenerativen Quellen. Muss doch eigentlich jedem völlig klar sein. Verstehe diese Diskussion nicht.
    Trotzdem ist das nicht der Grund oder das Hindernis warum Elektroautos nicht in die Puschen kommen.

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  • 2. Februar 2012 um 11:00
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    @ Grundlagen:
    Ich habe den Bericht von Hrn. Lohbeck gelesen und bin absolut schockiert. Wie kann solch ein Elektroauto-Gegner bei Greenpeace eine derartige Position behaupten. Wenn es nach ihm ginge, sollte es wahrscheinlich in 100 Jahre auch noch Benzinautos geben, denn die sind ja so viel Co2-neutraler!!

    Außerdem was soll diese kurzsichtige Denkweise, dass ständig nur übers CO2 debattiert wird. Benzinautos stoßen katastrophal viel Kohlenmonoxid, Stickstoff und Feinstaub aus. Elektroautos hingegen lokal nichts.

    Alleine der große Wirkungsgrad des E-Motors, die geringe Lärmentwicklung, die geringen Wartungskosten und die Unabhängigkeit von diktatorischen Erdölstaaten sollte einen überzeugen.

    Ich habe gleich ein Brief an Greenpeace Deutschland geschrieben, dass ich von seinen Ansichten entsetzt bin. Mal sehen, ob und was ich für eine Antwort erhalten werde.

    Schlimm – anstelle, dass einen Greenpeace unterstützt, fallen einem die in den Nacken. 🙁

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  • 2. Februar 2012 um 12:34
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    Einfach mal diese Artikel von Wolfgang Lohbeck lesen und schockiert sein! Mir ist dabei echt fast die Galle hochgekommen:

    http://blog.greenpeace.de/blog/2011/05/06/elektroautos-statt-mobilitat/

    http://blog.greenpeace.de/blog/2010/06/26/sind-e-autos-klimafreundlicher-als-konventionelle/

    http://blog.greenpeace.de/blog/2010/09/01/mobilitat-im-jahr-2050-small-intelligent-light-efficient/

    Schlimm, oder?

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  • 2. Februar 2012 um 13:57
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    @Grundlagen:
    ja, mann sollte immer eine Studie näher betrachten, um die riesen Fehler darin zu finden. Das machen die Medien natürlich nicht – teilweise verstehe ich das auch…
    In diesem Fall habe ich das Studie selbst noch nicht gesehen, konnte aber im Internet ein Anzeichen für einen Fehlannahme finden. Es scheint, die Studie gehe davon aus, ein e-Auto benötige so 22 kWh Strom pro 100 km.
    Dies ist ungefähr so falsch, als ob mann meinen wurde, ein Kleinwagen benötige heute so 9 Liter Sprit pro 100 km.
    Wer so krass mit eine GRUNDANNAHME daneben liegt, kann die Studie herum fast nur wegschmeissen, egal wie gut die Studie sonst geschrieben oder ausgearbeitet sein mag.

    Ich frage mich dann, ob die Aussagen (Graphisch) zur Akkuherstellungsenergie auch gravierend falsch sind, oder nicht? Dies kann ich aber persönlich nicht so leicht nachprüfen.

    Übrigens, ich fuhr schon in die neunziger Jahren e-Autos welche nur 10 kWh pro 100km AB STECKDOSE benötigten, allerdings 2-Sitzer. Das Ziel das mobilseins habe ich aber auch damals problemlos wahrnehmen können.
    Beim i-MiEV bin ich bei 13 kWh ab Steckdose gelandet – die Bedingungen waren aber leicht unterdurchschnittlich, meine ich…

    Wir haben aber die Chance dagegenzuhalten, da wir diesen großen Fehler in der Studie jetzt kennen (vermute ich). Dann erscheint alles ja plötzlich in einen ganz anderen Licht!

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  • 2. Februar 2012 um 19:03
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    Richtig wer bissel rechnen kann weis das diese Studie falsch ist. Plus das die Studie Öko-Instituts richtig ist nur von Taz und co. verzerrt wird und Manipulation dran statt gefunden hat udn was falschen veröffentlicht würde.
    man merkt wie unsere Medien arbeiten udn wie man eine Branchen sterben lassen kann, nur die Elektroautos dürfen nicht schon wieder sterben.

    Nächste ist das man uns Elektroautos in gleichen Atemzug mit Wasserstoff/ Brennstoffzellenfahrzeuge weis machen will das man hier umweltfreundliche rund unabhängiger ect. ist, wo genau in alle richtigen das negative statt findet gegen über Elektroautos mit Akku. Jeder kann rechen oder mal google Wasserstoffwirtschaft.

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