Deutschland baut sein Ladenetz aus, doch 30 Prozent der Gemeinden ab 500 Einwohnern haben weiterhin keinen öffentlichen Ladepunkt. Das zeigt das am 4. November veröffentlichte VDA-Ladenetzranking 2026. Für Fahrer ohne eigene Wallbox bleibt damit der Wohnort entscheidend. Eine bessere Nachricht kommt vom Schnellladen: Dort wächst das Angebot stärker als die Zahl der Autos mit Stecker.
Mehr Ladepunkte, fast gleiches Verhältnis
Der Herstellerverband stellt 3.591.910 Pkw mit Stecker insgesamt 211.025 öffentlichen Ladepunkten gegenüber. Das sind ausdrücklich batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride zusammen. Beide Bestandszahlen beziehen sich auf den 1. Juli 2026, nicht auf den Veröffentlichungstag im November.
| Kennzahl zum 1. Juli 2026 | Deutschland |
|---|---|
| Öffentliche Ladepunkte insgesamt | 211.025 |
| Davon Schnellladepunkte | 55.011 |
| BEV und PHEV je öffentlichem Ladepunkt | 17,0 |
| BEV und PHEV je Schnellladepunkt | 65,3 |
Binnen eines Jahres kamen laut VDA 38.875 öffentliche Ladepunkte hinzu; der Bestand an Pkw mit Stecker wuchs um 714.859. Das Verhältnis verändert sich dadurch kaum: Auf einen Ladepunkt kommen nun 17,0 Fahrzeuge, im Vorjahresranking waren es 16,7. Es handelt sich um eine rechnerische Kennzahl, nicht um eine gemessene Warteschlange.
Schnellladen legt zu – die Definition zählt
Bei den Schnellladepunkten sank die Zahl der Fahrzeuge je Anschluss von rund 71 auf 65,3. Der VDA zählt 40.320 Ladepunkte mit mehr als 149 kW, also besonders leistungsfähige Anschlüsse. Gleichzeitig fehlt nach seiner Auswertung in 61 Prozent der Gemeinden ab 500 Einwohnern ein öffentlicher Schnellladepunkt.
Dabei beginnt „schnell“ in dieser Statistik bereits bei mehr als 22 kW. Das ist die Abgrenzung der Bundesnetzagentur. Ein Schnellladepunkt ist deshalb nicht automatisch ein moderner HPC-Anschluss. Auch zählt ein Ladepunkt jeweils die Möglichkeit, ein Auto zu laden – eine Station kann mehrere davon besitzen.
Warum ein guter Rang nicht alles über deinen Alltag sagt
Im Bundesländer-Datenblatt liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 11,5 Pkw mit Stecker je Ladepunkt vorn, gefolgt von Berlin mit 11,8 und Thüringen mit 12,4. Im Saarland sind es 25,3. Der Quotient beschreibt das Verhältnis zum dort zugelassenen Fahrzeugbestand; er misst weder den Weg zur nächsten Säule noch deren Auslastung.
Die Auswertung stammt vom VDA und verwendet amtliche Registerdaten, keine Befragung von Autofahrern. Private Wallboxen fehlen in der öffentlichen Infrastrukturstatistik. Öffentlich zugänglich bedeutet laut Bundesnetzagentur außerdem nicht zwangsläufig rund um die Uhr nutzbar: Auch Ladepunkte auf Supermarktparkplätzen oder in Parkhäusern können dazugehören.
Unsere Einordnung: Prüfe die Ladewege vor dem Autokauf
Der Zuwachs bei leistungsfähigen Anschlüssen ist für längere Fahrten ermutigend. Für den Alltag ohne eigenen Ladeplatz reicht ein guter Bundesdurchschnitt als Kaufargument jedoch nicht. Entscheidend ist, ob du auf deinen üblichen Wegen verlässlich und zu passenden Preisen laden kannst.
Als Ausgangspunkt hilft die Ladesäulenkarte der Bundesnetzagentur mit Umkreissuche und Steckertyp-Filter. Sie zeigt nur abgeschlossene Anzeigeverfahren und ist nach Angaben der Behörde nicht lückenlos. Prüfe bei konkreten Standorten zusätzlich Öffnungszeiten, Tarif und eine Ausweichmöglichkeit. Genau diese Alltagstauglichkeit kann das Ranking nicht ersetzen.
Quellen: VDA-Mitteilung vom 4. November 2026, Bundesländer-Datenblatt sowie Begriffe und Methodik der Bundesnetzagentur. Vergleichsstichtage des VDA: 1. Juli 2025 und 1. Juli 2026; spätere Meldestände werden hier nicht vermischt. Titelbild: Symbolbild von Michael Fousert / Unsplash, verwendet unter der Unsplash-Lizenz.




