Eine 22-kW-Wallbox halbiert die Ladezeit nur mit einem 22-kW-Bordlader im Auto. Ein Fahrzeug mit 11 kW AC bleibt auch an der stärkeren Station auf 11 kW begrenzt.
Die hohe DC-Schnellladeleistung aus dem Prospekt ändert daran nichts: An der heimischen Wallbox zählt die AC-Leistung.
22 kW sind kein Marktstandard
11 kW sind etabliert, 22 kW bieten nur einige Fahrzeuge – oft gegen Aufpreis. So ordnet es der ADAC ein.
Ein belastbarer aktueller Deutschland-Anteil lässt sich daraus nicht beziffern. Das KBA erfasst die Ladeleistung nicht zentral; die Auswertung des RWTH Battery Data Centers beruht deshalb auf Schätzungen.
Eine Modellliste würde zudem nur die Verfügbarkeit zeigen. Wie oft Käufer den optionalen 22-kW-Lader tatsächlich bestellen, bleibt damit offen.
Vier Modelle, vier Ausstattungsfälle
smart #1 Premium: 22 kW in dieser Ausstattungslinie. Beim #1 Pro nennt die deutsche Line-Übersicht dagegen nur 7,4 kW. Der Modellname allein verrät die Ladeleistung nicht.
Mercedes-Benz CLA elektrisch: 22 kW optional. Mercedes führt das Extra auf der deutschen Modellseite ausdrücklich als „22-kW-On-board-AC-Lader“.
Renault Scenic E-Tech elektrisch: 11 kW Serie, 22 kW optional. Das gilt laut aktueller deutscher Ladeseite unter anderem für die 89-kWh-Long-Range-Version; ältere Ausstattungsangaben sind nicht pauschal übertragbar.
VW ID.3 Neo: 11 kW AC. Diese Leistung nennt Volkswagen für die 2026 vorgestellte Baureihe. Eine 22-kW-Wallbox bringt diesem Auto keinen Zeitgewinn.
Die versteckte Option sitzt im Auto
Beim CLA und Scenic muss der stärkere Bordlader tatsächlich mitbestellt sein; beim smart entscheidet die Ausstattungslinie. Belegt wird das durch die konkrete Ausstattungsliste oder Auftragsbestätigung.
Ein „22-kW-Ladekabel“ belegt keinen 22-kW-Bordlader. Bei Gebrauchtwagen zählt die ursprüngliche Ausstattung, nicht die Maximalangabe im heutigen Konfigurator.
40 kWh: 3:38 statt 1:49 Stunden
Rechnerische Ladezeiten bei konstanter Leistung, ohne Ladeverluste:
| Energie | Mit 11 kW | Mit 22 kW |
|---|---|---|
| 10 kWh | ca. 55 Min. | ca. 27 Min. |
| 40 kWh | ca. 3 Std. 38 Min. | ca. 1 Std. 49 Min. |
22 kW sparen bei 40 kWh rechnerisch 1 Stunde 49 Minuten. Bei einem auf 11 kW begrenzten Auto entfällt dieser Vorteil vollständig.
Bei dynamischen Tarifen lässt sich mit 22 kW mehr Energie in günstige Preisstunden verschieben. Ohne Preisunterschied macht schnelleres Laden den Strom nicht billiger.
Installation: 16 oder 32 Ampere
Dreiphasiges Laden mit 11 kW benötigt ungefähr 16 Ampere je Phase, 22 kW ungefähr 32 Ampere. Hausanschluss, Leitung und Absicherung müssen dafür ausgelegt sein. Technisches Beispiel: go-e.
Zum Gesamtpreis gehören neben der Wallbox auch Leitungsweg, Zählerschrankarbeiten und gegebenenfalls Lastmanagement. Der reine Gerätepreis bildet diese Kosten nicht ab.
Jede Wallbox ist vor Inbetriebnahme beim Netzbetreiber anzumelden. Über 12 kVA Summen-Bemessungsleistung ist nach § 19 NAV zusätzlich dessen vorherige Zustimmung erforderlich.
Die Grenze gilt für die elektrische Anlage insgesamt, nicht einzeln je Ladepunkt. Installieren darf der Netzbetreiber oder ein entsprechend eingetragenes Installationsunternehmen. Quelle: Bundesnetzagentur.
§ 14a: zeitweise weniger Netzleistung
Seit Januar 2024 fallen neue private Wallboxen mit mehr als 4,2 kW Netzanschlussleistung grundsätzlich unter die Regeln für steuerbare Verbrauchseinrichtungen.
Bei drohender lokaler Netzüberlastung darf der Netzbezug zeitweise sinken. Bei Direktansteuerung bleiben grundsätzlich mindestens 4,2 kW verfügbar; der normale Haushaltsverbrauch bleibt unberührt.
Im Gegenzug gelten reduzierte Netzentgelte. Die Details erläutert die Bundesnetzagentur zu § 14a.
Solarstrom: Steuerung statt Spitzenleistung
Für PV-Überschussladen braucht die Wallbox eine kompatible Anbindung an das Energiemanagement. Automatische Phasenumschaltung kann auch kleinere Solarüberschüsse nutzbar machen.
Je nach System kommt zusätzliche Steuerungshardware hinzu. „PV-fähig“ bedeutet daher nicht automatisch komplett ausgestattet. Beispiel: go-e-PV-Lösung.
Unser Fazit: 11 kW als Standard, 22 kW gezielt
11 kW sind unsere Standardempfehlung für Autos mit maximal 11 kW AC und für das Laden über Nacht. Für ungenutzte Mehrleistung rechtfertigt sich kein Aufpreis.
22 kW lohnen den Mehrpreis nur mit entsprechendem Bordlader und regelmäßig kurzen Ladefenstern. Wer etwa 40 kWh in rund zwei statt vier Stunden nachladen muss, gewinnt konkret Zeit.
Netzdrosselung und ein gemeinsam genutzter Hausanschluss können diesen Vorteil begrenzen. In der Hausgemeinschaft zählen daher abgestimmte Anschlussleistung und Lastmanagement; teurere Installation allein garantiert keine dauerhaft verfügbaren 22 kW.
Stand: 26. Oktober 2026. Fahrzeugbeispiele nach aktuellen deutschen Herstellerunterlagen; keine repräsentative Marktanteilszählung. Titelbild: KI-generiertes Symbolbild.




